Jeder Recruiter hat es schon einmal erlebt: Sie haben eine neue Initiativbewerbung im (realen oder virtuellen) Postfach. Das Anschreiben wirkt auf den ersten Blick ganz normal und nett formuliert. Sie öffnen die beigefügte Bewerbungsmappe und wissen nicht, ob Sie lachen, weinen oder zu schreien beginnen sollen. Tutorials und Best Practice Beispiele, wie man eine möglichst polarisierende Guerilla Bewerbung erstellt, findet man im Internet viele. Wie man als Recruiter damit umzugehen hat, hingegen kaum. Wir sehen uns Guerilla Bewerbungen aus der Sicht der Recruiter an.

Social Media als Aufmerksamkeitserreger

Social Media Plattformen sind heute, auch im Bewerbungs- und Recruiting-Alltag, nicht mehr wegzudenken. Inzwischen werden diverse Plattformen (neben Xing und LinkedIn) häufig gezielt als persönliches Präsentations- und Bewerbungsportal genutzt. Ob so eine eigene Facebook-Seite, ein Instagram- oder Twitter-Profil oder ein eigener YouTube-Kanal, der ausschließlich dafür eingerichtet wurde, sich als attraktiver Kandidat zu präsentieren, wirklich jene Informationen bereitstellt, die Unternehmen benötigen, hängt natürlich immer vom jeweiligen Ersteller ab. Der Idee können wir einiges abgewinnen, allerdings müssen die Recruiter erst mal auf das Profil aufmerksam gemacht und auf die entsprechende Seite gelotst werden. Nicht gerade wenig Arbeit für die Bewerber. Wir hoffen es lohnt sich und die Bewerbungen bringen (neben einer Einstellung für die Kandidaten) ein wenig Abwechslung in die Bewerbungsdurchsicht der Personaler.

Die Qual der Wahl

Tatsächlich stellen Guerilla-Bewerbungen für Personaler eine große Herausforderung und einen hohen Mehraufwand dar. Wie können so ungewöhnliche Bewerbungen beispielsweise in den Recruiting-Prozess aufgenommen werden? Welche Möglichkeiten gibt es, um alle wichtigen Informationen und Bewerberdaten herauszufiltern? Die richtige Antwort hängt hier klar von Art und Qualität der Bewerbung ab: Wurden überhaupt ausreichend Informationen zum Bewerberprofil übermittelt, oder war die gesamte Bewerbung nur ein Schrei in die Stille und kann neben einer besonderen Verpackung keinen sonderlich attraktiven Inhalt vorweisen?

Guerilla Bewerbungen: 5 Tipps für Recruiter

Der Umgang mit Bewerbern ist immer heikel. Bei Guerilla-Bewerbungen kann man jedoch davon ausgehen, dass die Kandidaten noch mehr involviert sind, als es vielleicht bei einer klassischen Bewerbung der Fall ist. Darauf sollten Sie im Umgang mit außergewöhnlichen Bewerbungen achten:

  • Interne Leitlinien und Gewichtung erstellen: Wie werden Guerilla Bewerbungen gewichtet? Zählt die Aufmachung mehr als der Inhalt? (Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie erhalten zwei Bewerbungen – eine ganz normale saubere Bewerbung mit inhaltlich tollem Lebenslauf, der genau das beinhaltet wonach Sie suchen. Die zweite Bewerbung kommt in Form einer außergewöhnlichen Guerilla Bewerbung die Sie positiv begeistert. Inhaltlich und erfahrungstechnisch kann dieser Bewerber leider weniger Vorweisen als der erste Kandidat. Welchen Kandidaten bevorzugen Sie?)
  • Feedback geben (positives wie auch negatives).
  • Sich nicht von so viel Engagement und Motivation blenden lassen, sondern die Bewerbung hinterfragen: Warum hat sich der Kandidat gerade für diesen Weg entschieden, um sich zu bewerben?
  • Bei unvollständigen Informationen nachfragen und das Kandidaten-Profil vervollständigen.
  • Den Kandidaten in den Recruiting-Prozess eingliedern (z.B. wenn noch ein Fragebogen oder Assessment vorgesehen ist).

Guerilla Bewerbungen hinterlassen meist einen bleibenden Eindruck. Das ist grundsätzlich sowohl für den Bewerber als auch für den Recruiter etwas äußerst Positives. Sie zeigen den Willen und das Engagement der Kandidaten und können Recruitern ihre Bewerberauswahl ungemein erleichtern. Manche Bewerber schaffen es damit noch lange im Gespräch zu bleiben – und das nicht nur im positiven Sinne.

Hier finden Sie ein paar spektakuläre Beispiele für Guerilla Bewerbungen die den einen oder anderen Recruiter ziemlich überrascht haben: Lassen Sie sich überraschen!